Selbstständigkeit in Deutschland steigt im Nebenerwerb deutlich
Selbstständigkeit in Deutschland steigt deutlich – vor allem im Nebenerwerb. Wenn du dich für die Entwicklungen der Gründungstätigkeit in Deutschland interessierst, ist der aktuelle KfW-Gründungsmonitor 2026 ein absolutes Muss. Die Zahlen zeigen: Das Gründungsgeschehen ist so dynamisch wie lange nicht mehr. Vor allem die Nebenerwerbsgründungen treiben den Wandel voran. Doch was verbirgt sich hinter diesen Entwicklungen, wie verändert sich das Bild der Gründerinnen und Gründer und welche Trends prägen die deutsche Gründungsszene für die kommenden Jahre? In diesem Artikel bekommst du alle relevanten Fakten und Hintergründe im Überblick – kompakt und verständlich aufbereitet.
17.6.2026
Ein Rekordjahr für die Gründung: Zahlen, die begeistern
Deutschland erlebt ein echtes Comeback der Gründerkultur. 2025 wagten laut Gründungsmonitor rund 690.000 Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Das bedeutet einen kräftigen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr und setzt ein wichtiges Signal für den Innovations- und Wirtschaftstandort. Besonders auffällig ist, dass die große Mehrheit dieser Gründungen im Nebenerwerb stattfindet. Mit etwa 483.000 Nebenerwerbsgründungen schlagen diese die Zahl der Vollerwerbsgründungen – rund 206.000 – deutlich. 70 Prozent aller neuen Unternehmen entstehen aktuell neben einem Hauptjob oder Studium. Diese Entwicklung markiert einen historischen Höchststand und spiegelt eine neue Gründungsrealität wider: Selbständigkeit wird zunehmend nebenbei gelebt.
Was steckt hinter dieser Verschiebung? Viele Gründende entscheiden sich bewusst für die Sicherheit einer Festanstellung, während sie ihr eigenes Geschäft im parallelen Aufbau testen. Risikominimierung, Flexibilität und das Ausprobieren neuer Ideen stehen dabei im Vordergrund. Der Nebenerwerb wird so zum Innovationslabor und Sprungbrett für unternehmerisches Handeln.
Hybride Wege: Selbstständigkeit und Festanstellung schließen sich nicht mehr aus
Der Gründungsmonitor 2026 zeigt klar: Hybride Karrieremodelle sind am Kommen. Rund 70 Prozent der Gründenden waren vor ihrem Start ins eigene Business fest angestellt. Bemerkenswert ist, dass knapp 40 Prozent auch nach der Gründung ihr Angestelltenverhältnis fortführen. Die Grenze zwischen klassischer Erwerbstätigkeit und Selbstständigkeit verschwimmt damit immer mehr. Viele nutzen die Chance, erste Erfahrungen als Unternehmer oder Unternehmerin zu sammeln, bevor sie sich für einen vollständigen Wechsel entscheiden – oder bleiben dauerhaft in beiden Welten aktiv. Die deutsche Arbeitswelt wird flexibler, individueller und vielfältiger.
Für dich als potenziellen Gründer oder Gründerin bedeutet das: Du musst nicht gleich alles auf eine Karte setzen. Der langsame Einstieg über den Nebenerwerb erlaubt es, Fehler zu machen und daraus zu lernen, ohne gleich die komplette berufliche Existenz zu gefährden. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, wie offen Arbeitgeber mittlerweile für solche Modelle sind. Die Arbeitswelt verändert sich rapide – und macht Raum für deinen unternehmerischen Mut.
Jung, digital, divers: Das Gesicht der neuen Gründer-Generation
Ein besonders spannender Trend ist die fortschreitende Verjüngung der Gründerinnen und Gründer. Das Durchschnittsalter sinkt weiter – von 34,4 im Jahr 2025 auf 34,2 Jahre in 2026. Immer mehr junge Menschen wagen sich früh in die Selbstständigkeit, viele starten bereits während des Studiums ihr erstes Projekt. Verantwortung zu übernehmen, neue Produkte zu entwickeln oder Gesellschaft mitzugestalten: All dies erlebt eine Renaissance bei der jungen Generation. Sie sieht Selbstständigkeit nicht primär als Lebensrisiko, sondern als attraktive Ergänzung zum klassischen Karriereweg.
Doch nicht nur das Alter der Gründenden wandelt sich. Laut aktuellem Gründungsmonitor haben 34 Prozent der neuen Unternehmerinnen und Unternehmer eine Einwanderungsgeschichte – deutlich mehr als dem Bevölkerungsanteil entspricht. Diese Diversität fördert neue Perspektiven, Innovationskraft und eröffnet Chancen, die deutsche Wirtschaft deutlich zu internationalisieren und für den globalen Wettbewerb fit zu machen. Die Gründungsszene ist heute offener, durchlässiger und pluralistischer als je zuvor.
Digitalisierung als Wachstumstreiber
Die Digitalisierung bleibt ein Schlüsselfaktor für das aktuelle Gründungsgeschehen. 44 Prozent der Neugründungen bauen mittlerweile komplett auf digitale Angebote – ein absoluter Rekordwert. Immer häufiger sind es digitale Produkte, Plattformen, Apps oder Software-Lösungen, für deren Nutzung die Kunden entsprechende Technologien brauchen. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Sprung von 36 auf 44 Prozent.
Was bedeutet das für dich? Digitale Geschäftsmodelle sind mit deutlich geringeren Markteintrittsbarrieren verbunden. Du kannst mit überschaubaren Mitteln testen, was funktioniert. Die digitale Infrastruktur eröffnet Marktchancen weit über den eigenen Wohnort hinaus. Kundenakquise, Vertrieb und die Skalierbarkeit deines Angebots werden erleichtert. Genau das macht die Gründung heute für viele so viel attraktiver – und nebenberuflich oft überhaupt erst möglich.
Gründerinnen und Gründer mit Migrationsbiografie: Motor der Vielfalt
Ein Blick auf die Hintergründe der Gründenden zeigt, wie wichtig Vielfalt für das Innovationspotenzial der deutschen Wirtschaft ist. Fast jeder dritte Gründer hat einen familiären Zuwanderungshintergrund. Diese Menschen bringen oft besondere Kompetenzen mit, sind risikobereiter, besitzen Netzwerke in andere Märkte oder tragen mit viel Engagement zur Integration und Transformation bestehender Branchen bei.
Gerade digitale Geschäftsmodelle profitieren vom kulturellen Mix: Sie denken global, sprechen verschiedene Zielgruppen an und verbinden Märkte, die bis vor Kurzem nur wenig Berührungspunkte hatten. Die überproportionale Beteiligung von Menschen mit Migrationsbiografie an der Gründungswelle ist ein wertvoller Standortvorteil.
Gründerinnen: Licht und Schatten in Sicht
Der Anteil der Gründerinnen bleibt herausfordernd. Während 2025 noch 35 Prozent aller Neugründungen von Frauen stammten, lag dieser Wert leicht unter Vorjahr (36 Prozent) und dem langjährigen Durchschnitt (39 Prozent). Besonders bei den Vollerwerbsgründungen ist der Rückgang auffällig: Hier sank der Anteil auf 27 Prozent. Im Nebenerwerb hält er sich mit 38 Prozent stabil.
Für dich als Gründerin oder als Unterstützer weiblicher Innovation bedeutet das: Die Hürden sind nach wie vor da – etwa bei der Finanzierung, dem Zugang zu Netzwerken oder fehlenden Vorbildern vor allem im Bereich der Vollerwerbsgründung und in der Wachstumsphase. Doch die Stabilität im Nebenerwerb verdeutlicht, dass Frauen die nebenberufliche Selbstständigkeit aktiv für ihre Karriereentwicklung nutzen. Sie schaffen sich Freiräume, um Geschäftsmodelle zu entwickeln und Erfahrungen zu sammeln, die den Weg ins Unternehmertum ebnen.
Neue Geschäftsmodelle, neue Wege: Neugründung dominiert
Laut Gründungsmonitor 2026 sind 86 Prozent aller Gründungen echte Neugründungen. Das heißt: Es handelt sich nicht um Übernahmen oder Beteiligungen, sondern um komplett neue Unternehmen. Der Fokus auf das Entstehen neuer Ideen, Produkte und Geschäftsmodelle treibt die Dynamik am Wirtschaftsstandort Deutschland weiter an. Der Raum für Innovation wächst, getrieben durch digitale Technologien, gesellschaftliche Trends wie Nachhaltigkeit und ein wachsendes Bewusstsein für flexible Erwerbsmodelle.
Für dich als Gründerin oder Gründer bietet diese Entwicklung Chancen und Herausforderungen zugleich. Die Konkurrenz wächst, aber dein Potenzial für Differenzierung auch: Mit einer klaren Positionierung, digitalem Know-how und einem innovativen Ansatz kannst du auch in etablierten Märkten Fuß fassen.
Herausforderungen und Ausblick: Was erwartet dich als Gründerin oder Gründer?
Die hohe Zahl an Nebenerwerbsgründungen zeigt, dass in Deutschland die Bereitschaft wächst, unternehmerisches Risiko einzugehen – ohne dabei die eigene finanzielle Sicherheit aufs Spiel setzen zu müssen. Viele erproben ihre Geschäftsidee und nutzen dabei die Möglichkeiten von Homeoffice, Remote Work und digitalen Infrastrukturangeboten. Diese Flexibilität ist Fluch und Segen zugleich, denn sie erhöht auch den Wettbewerbsdruck und macht es schwieriger, aus dem Nebenerwerb heraus zu wachsen.
Der Gründungsmonitor 2026 stellt klar: Die Dynamik im Vollerwerb bleibt zwar stabil, doch die Strukturen am deutschen Gründungsmarkt verändern sich. Die Szene wird jünger, digitaler und diverser – pass dich mit deinen Geschäftsideen und deiner Gründungsstrategie den neuen Gegebenheiten an. Digitalisierung, Netzwerke und die Bereitschaft, sich ständig weiterzuentwickeln, sind entscheidende Schlüssel – unabhängig davon, ob du zunächst im Nebenerwerb startest oder schon im Vollerwerb durchstarten möchtest.
Fazit: Viele Chancen – und eine wachsende Gründervielfalt
Wenn du überlegst, selbst zu gründen, ist jetzt eine ausgezeichnete Zeit dafür. Die Zahlen des Gründungsmonitors 2026 belegen deutlich: Selbstständigkeit ist gefragt wie nie, vor allem weil sie flexibler und vielfältiger geworden ist. Investiere in deine digitale Kompetenz, suche dir Netzwerke und Vorbilder, setze auf Vielfalt – und nutze die Chance, über den Nebenerwerb selbstständig und innovativ neue Wege auszuprobieren.
Der Wandel in der deutschen Gründungslandschaft spiegelt eine neue Gründermentalität wider: mutig, offen, technologiegetrieben und bereit, bewährte Pfade zu verlassen. Wer bereit ist, sich auf neue Trends einzulassen, kann unabhängig vom Alter, Geschlecht oder Herkunft am wachsenden Gründungserfolg teilnehmen.